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Leben

Das Handwerk der Olandts: 135 Jahre Bäckerei in Dahme

In Dahme an der Ostsee hält die Familie Olandt seit 135 Jahren das traditionsreiche Bäckerhandwerk lebendig. Ein Blick hinter die Kulissen dieser Familiengeschichte.

Lena Müller27. Juni 20263 Min. Lesezeit

Die salzige Luft der Ostsee umweht mich, während ich vor der Bäckerei der Familie Olandt stehe. Das alte Gebäude, das schon seit 135 Jahren hier steht, strahlt eine verführerische Wärme aus und zieht mich förmlich an. Der Duft von frisch gebackenem Brot und süßen Teilchen dringt durch die geöffnete Tür und versetzt mich sofort in eine andere Zeit. In diesem Moment wird mir klar, dass es nicht nur die Backwaren sind, die hier verzaubern, sondern auch die Geschichten und Traditionen, die seit Generationen in diesen Wänden verwoben sind.

Die Bäckerei wurde im Jahr 1888 gegründet und hat seitdem unzählige Veränderungen in der Umgebung erlebt – Kriege, wirtschaftliche Umbrüche und Tourismusbooms. Doch eines blieb konstant: die Leidenschaft der Olandts für das handwerkliche Backen. Es ist faszinierend zu sehen, wie eine Familie über so viele Jahre hinweg den Mut und die Entschlossenheit aufbringt, ein Handwerk zu bewahren, das in der modernen Welt oft in den Hintergrund gedrängt wird. Ich treffe auf Henriette Olandt, die aktuelle Generation, die das Erbe ihrer Vorfahren weiterführt. Ihre Augen leuchten, wenn sie von den Rezepten spricht, die sie von ihrer Großmutter gelernt hat – Rezepte, die mehr als nur Zutaten und Mengenangaben sind. Sie erzählen von der Geschichte der Familie, von Traditionen, die in jedem Brot weiterleben.

Henriette führt mich durch die Backstube, und ich bin beeindruckt von der Handwerkskunst, die hier praktiziert wird. Während der Duft von Zimt und Zucker die Luft füllt, erklärt sie mir, dass die Familie großen Wert auf biologische Zutaten legt. „Wir wollen die Verbindung zur Region stärken“, sagt sie. „Die Landwirte hier liefern uns das Mehl, die Milch und die Eier. Das ist für uns eine Frage der Verantwortung.“ Diese Philosophie spiegelt sich auch in der Art und Weise wider, wie die Olandts ihre Kunden behandeln. Es ist nicht bloß ein Geschäft für sie. Es ist eine Gemeinschaft.

Die Bäckerei ist ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen, die sich in der gemütlichen Atmosphäre wohlfühlen. Menschen kommen hier zusammen, um Geschichten auszutauschen, einen Kaffee zu trinken oder einfach einen Moment der Ruhe zu genießen. Henriette erzählt mir von dem beliebten Brot, das nach einem alten Rezept gebacken wird und sich über die Jahre zu einem wahren Klassiker entwickelt hat. „Manchmal denke ich, es gibt nichts Schöneres, als wenn jemand mit einem Stück frisch gebackenem Brot glücklich ist“, sagt sie nachdenklich.

Die Olandts machen auch keine Kompromisse, wenn es um die Qualität ihrer Produkte geht. Die Verwendung von natürlichen Zutaten ohne künstliche Zusatzstoffe ist für sie nicht verhandelbar. In einer Zeit, in der viele Bäckereien auf industrielle Backverfahren setzen, bleibt die Bäckerei Olandt dem traditionellen Handwerk treu. Ich kann die Hingabe spüren, die in jeder einzelnen Brotkreation steckt.

Die Bäckerei ist nicht nur ein Ort, an dem man etwas essen kann. Sie ist ein lebendes Zeugnis dafür, wie man die Wurzeln der Vergangenheit mit den Herausforderungen der Gegenwart verbinden kann. Henriette und ihre Familie stehen für Kontinuität, für die Liebe zum Handwerk und für die enge Verbindung zur Region. Ich verlasse die Bäckerei mit einem Stück des berühmten Roggenbrotes in der Hand und fühle mich bereichert durch die Geschichten und die Herzlichkeit, die ich erfahren durfte. Ob im Gespräch mit Henriette oder im Genuss eines Stücks frischen Kuchens, hier wird mir klar, dass das Handwerk nicht nur über das Brot selbst, sondern auch über die Menschen dahinter erzählt wird.

Die Bäckerei Olandt in Dahme ist mehr als nur ein Ort, an dem man sich verpflegen kann. Sie ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Tradition und Handwerk miteinander verbunden werden können, um eine gemeinsame Geschichte zu erzählen. In einer Welt, die sich oft zu schnell dreht, ist es diese Langsamkeit und Sorgfalt, die jeden Bissen zu einem besonderen Erlebnis machen.

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